Realoptionen

Die klassische DCF-Analyse bewertet bestimmte Planungsszenarien und kann strategische Optionen nicht berücksichtigen. Die Realität hält sich leider selten an eine Planung, das Management muss bei Fehlentwicklungen möglichst Korrekturmaßnahmen ergreifen. Die Realoptionsanalyse (ROA) bewertet strategische Optionen und erweitert klassische DCF-Modelle. Der ROA zeigt, was in welcher Situation zu tun ist und gibt dem Management spezifische Empfehlungen. Typische reale Optionen:

  • Options to expand und contract erlauben die Erweiterung und Kontraktion des Geschäfts.
  • Options to wait / defer ermöglichen das Verschieben von Aktivitäten wie Investitionen, um in dieser Zeit mehr Informationen und Sicherheit zu gewinnen.
  • Options to abandon erlauben den Verkauf oder das Schliessen des Geschäfts.
  • Option to choose ermöglichen den gleichzeitigen Einsatz verschiedenster Optionen.
  • Barrier options haben spezifische Barrieren zur Ausübung der Option.
  • Switching options ermöglichen den Wechsel zwischen Strategien bspw. in der Productenwicklung oder in der Produktion.
  • Compound options umfassen verschiedene abhängige Optionen. Die Ausübung einer Option schafft neue Optionen. Compond options können parallel oder sequentiell sein.
  • Rainbow / learning options haben verschiedene Quellen der Unsicherheit (Markt, Technologie, Entwicklung, …) und Volatilitäten.

Realoptionen werden mit Methoden der Optionspreistheorie analysiert. Dies enthält approximative Ansätze wie Binomialmodelle und analytische Modelle wie jenes von Black-Scholes-Merton (Nobelpreis 1997) ein. Projekte enthalten üblicherweise mehrere Realoptionen. Diese müssen dann simultan analysiert werden, da sich ihre Optionswerte gegenseitig beeinflussen und nicht additiv sind. Eine Kombination von Monte-Carlo-Simulation und approximativen Verfahren kann zu hochinteressanten Ergebnissen bei komplexen Problemen führen.

ROA bietet viele zusätzliche Informationen. Es bewertet die strategischen Optionen (ROV… Real Option Values) und liefert zusätzliche Projektkennzahlen wie ENPV (erweiterter Kapitalwert). Zusätzlich zeigt die ROA, welche Option in welcher Situation ausgeführt werden soll. Eine Sensitivitätsanalyse innerhalb der ROA bewertet die Abhängigkeit der Optionswerte von wichtigen Einflussfaktoren. Die ROA sollte ein wesentlicher Bestandteil jeder Projekt- und Finanzbewertung sein. Die Methoden der Optionspreistheorie können pragmatisch und ohne komplexe Mathematik angewendet werden.

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